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Warum wir Dinge aufschieben - und was wirklich dagegen hilft.
Du kennst die Situation
Die Aufgabe wird immer wieder auf den nächsten Tag oder die nächste Woche verschoben.
Es ist nicht schwierig. Es dauert nicht lange. Du weisst genau, wie es geht.
Und trotzdem:
Heute nicht. Heute ist ein schlechter Tag dafür. Morgen dann.
Am Abend kommt das schlechte Gefühl. Nicht wegen der Sache selbst – die wäre vielleicht in einer Stunde erledigt. Sondern wegen der Frage:
Warum habe ich es schon wieder nicht gemacht?
Ich kenne das gut. Auch ich finde mich gelegentlich als eifrige Anhängerin des Aufschiebens wieder.
Das gehört zu den Dingen, die man als Coach nicht so gerne zugibt. Aber es wäre unredlich, so zu tun, als stünde ich darüber.
Es ist NICHT die Faulheit
Wer aufschiebt, ärgert sich meistens darüber. Man weiss, dass etwas erledigt werden sollte, trägt es gedanklich mit sich herum – und tut es trotzdem nicht.
Und genau deshalb lohnt es sich, genauer hinzusehen.
Denn:
Aufschieben ist nicht einfach ein Charakterfehler. Es ist oft ein Signal.
Es zeigt Dir, dass zwischen Dir und dieser Aufgabe etwas steht.
Die entscheidende Frage ist also nicht:
"Warum bin ich bloss so undiszipliniert?“
Sondern:
"Was genau hält mich bei dieser Aufgabe zurück?“
Die drei häufigsten Gründe
1. Die Aufgabe ist zu gross gedacht
"Steuererklärung ausfüllen“ ist kein einzelner Arbeitsschritt. Es ist ein Projekt.
Das Gehirn sieht einen Berg – und wir finden plötzlich erstaunlich viele andere Dinge, die dringend erledigt werden könnten.
Ein Schritt, der in 15 oder 20 Minuten erledigt werden kann, fühlt sich dagegen völlig anders an.
2. Es fehlt der erste Schritt
Manchmal wissen wir zwar, was erledigt werden muss, aber nicht, wie wir anfangen sollen.
Wo bekomme ich die Information her? Wen muss ich anrufen? Welche Unterlagen brauche ich? Was muss zuerst passieren?
Diese Unklarheit fühlt sich schnell wie Unlust an.
Dabei fehlt vielleicht gar nicht die Motivation.
Es fehlt schlicht der erste konkrete Schritt.
3. Die Aufgabe ist mit Angst verbunden
Das ist die Form des Aufschiebens, die wir uns oft am wenigsten eingestehen.
Denn manchmal schieben wir etwas nicht auf, weil es zu gross oder zu kompliziert ist.
Sondern weil wir Angst vor dem Ergebnis haben:
Was, wenn ich es nicht gut genug mache? Diese Angst hat oft einen Namen: den Anspruch, es perfekt machen zu müssen.
→ Perfektionismus: Wann er hilft – und wann er lähmt
Was, wenn jemand Nein sagt?
Was, wenn ich kritisiert werde?
Was, wenn ich jemanden enttäusche?
Was, wenn meine Idee gar nicht so gut ist, wie ich dachte?
Was, wenn Du Aufgaben übernimmst, die eigentlich gar nicht Deine sind?
Die Angst flüstert Dir zu: Solange Du nicht angefangen hast, kann es auch nicht misslingen.
Aufschieben kann deshalb kurzfristig schützen.
Vor Ablehnung. Vor Kritik. Vor einem unangenehmen Gespräch. Vor der Erkenntnis, dass etwas vielleicht nicht perfekt wird.
Der Preis dafür ist allerdings hoch: Die Aufgabe verschwindet nicht. Sie bleibt im Kopf – und die Angst wächst häufig mit jedem Tag, an dem wir sie vor uns herschieben.
Was wirklich hilft
Verkleinern, bis es fast lächerlich wirkt, es nicht zu tun
Nicht:
"Steuererklärung ausfüllen."
Sondern:
"Ordner vom Regal holen und öffnen."
Nicht:
"Website überarbeiten."
Sondern:
"Die Startseite öffnen und drei Sätze markieren, die ich ändern möchte."
Nicht:
"Endlich meine Finanzen ordnen."
Sondern:
"Die Kontoauszüge des letzten Monats herunterladen."
Mach den ersten Schritt so klein, dass der innere Widerstand kaum noch eine vernünftige Begründung findet.
Der zweite Schritt kommt dann erstaunlich oft von selbst.
Denn häufig war nicht die Arbeit das Problem.
Der Anfang war es.
Nicht auf den richtigen Moment warten
Der richtige Moment kommt erstaunlich selten.
Wer wartet, bis er Lust hat, wartet möglicherweise auf einen Zustand, der oft erst während des Tuns entsteht.
Die Reihenfolge ist deshalb in diesem Fall häufig genau umgekehrt, als wir denken:
Erst tun – dann kommt die Motivation.
Nicht: Erst Motivation – dann tun.
Manchmal liegt der Grund auch woanders: Wir schieben Aufgaben vor uns her, die eigentlich gar nicht unsere sind.
→ Warum uns ein Nein so schwerfällt
Eine kleine Übung gegen das Aufschieben
Nimm ein Blatt Papier.
Schreib eine einzige Sache darauf, die Du schon länger vor Dir herschiebst.
Nur eine.
Und dann frag Dich:
Was steckt dahinter?
ZU GROSS?
Schreib einen einzigen Schritt darunter, der höchstens 15 Minuten dauert.
So klein, dass er fast albern wirkt.
Und dann trag genau diesen Schritt für morgen in Deinen Kalender ein – mit einer Uhrzeit.
Nicht einfach nur "morgen irgendwann".
Sondern zum Beispiel:
09.30 Uhr – Unterlagen zusammensuchen.
ZU UNKLAR?
Frag Dich:
"Was fehlt mir, damit ich anfangen kann?"
Vielleicht lautet der erste Schritt dann nicht "Aufgabe erledigen", sondern:
Information bei XY einholen.
Oder:
Unterlagen zusammensuchen.
Oder:
Eine Person anrufen, die mir weiterhelfen kann.
Sobald aus einer diffusen Aufgabe ein konkreter nächster Schritt wird, verliert sie häufig einen grossen Teil ihres Schreckens.
ANGSTBESETZT?
Dann versuch nicht, die Angst einfach wegzureden.
Schreib stattdessen auf:
"Wovor habe ich bei dieser Aufgabe konkret Angst?"
Nicht allgemein. Ganz konkret.
Dass jemand Nein sagt?
Dass ich einen Fehler mache?
Dass jemand meine Arbeit kritisiert?
Dass ich nicht gut genug bin?
Dass ich eine falsche Entscheidung treffe?
Eine der häufigsten Gründe, warum wir Dinge vor uns herschieben – weil wir nicht gut darin sind, NEIN zu sagen
Hierzu mehr: → Nein sagen: Kein Egoismus, sondern Selbstfürsorge
Und dann stell Dir drei Fragen:
1. Was ist das realistisch Schlimmste, das passieren könnte?
Nicht das Katastrophenszenario in Deinem Kopf, sondern das realistisch Schlimmste.
2. Was würde ich tun, wenn genau das passiert?
Sehr oft merken wir an diesem Punkt: Es wäre unangenehm – aber lösbar.
3. Was wäre „gut genug“, damit ich trotzdem anfangen kann?
Denn vielleicht musst Du gar nicht perfekt sein.
Vielleicht muss das Angebot nicht perfekt formuliert sein – sondern rausgehen.
Vielleicht musst Du im Gespräch nicht auf jede Frage eine Antwort haben.
Vielleicht muss Deine Idee nicht jedem gefallen.
Vielleicht darf der erste Versuch einfach ein erster Versuch sein.
Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben. Mut bedeutet, den nächsten Schritt trotzdem zu machen.
Und jetzt rechne einmal nicht in schlechtem Gewissen – sondern in Franken
Wenn Du selbstständig bist, ein Projekt aufbaust oder beruflich Verantwortung trägst, probier einmal etwas anderes:
Beobachte einen Monat lang, was Dich Dein Aufschieben kostet.
Nicht nur Zeit.
Geld.
Die Rechnung, die zu spät gestellt wurde.
Das Angebot, das nicht rausging.
Der Anruf, den Du nicht gemacht hast.
Die Idee, die monatelang in der Schublade lag – bis jemand anderes schneller war.
Die Entscheidung, die Du immer wieder vertagt hast.
Schreib diese Dinge einen Monat lang auf und schätze, den finanziellen Wert.
Das Ergebnis kann ziemlich überraschend sein.
Denn Aufschieben kostet nicht nur Nerven.
Manchmal kostet es ganz konkret Franken.
Die Strategie, die mir persönlich am besten hilft
Bei mir ist es etwas erstaunlich Einfaches:
Meine To-do-Liste
Ja, ich weiss.
Das klingt nicht gerade nach einer revolutionären Erkenntnis.
Aber manchmal sind es tatsächlich die einfachen Dinge, die funktionieren.
Ich erstelle meine To-do-Liste entweder am Vorabend oder gleich am Morgen.
Wichtig ist mir dabei:
Grosse Aufgaben kommen nicht als riesiger Block auf die Liste.
Ich teile sie in zwei, drei oder noch mehr kleine Schritte auf.
Und neben jeden Punkt kommt ein kleines Kästchen.
Denn – und das meine ich tatsächlich ernst – Abhaken macht Spass.
Es macht sichtbar, was bereits geschafft ist.
Wenn Du morgens erst einmal in Bewegung kommen musst, kannst Du mit einer kleinen, schnell erledigten Aufgabe beginnen.
Aber Vorsicht:
Verbring nicht den ganzen Vormittag damit, zehn unwichtige Kleinigkeiten abzuhaken, während die eine wichtige Aufgabe wieder liegen bleibt.
Nach dem ersten kleinen Erfolg kommt deshalb:
die wichtigste Aufgabe des Tages.
Und wenn eine Aufgabe besonders unangenehm oder anspruchsvoll war?
Dann darfst Du Dich danach auch belohnen.
Mit einem Kaffee in Ruhe. Einer Runde draussen. Einer Pause. Etwas, worauf Du Dich freust.
Unser Gehirn darf ruhig lernen:
Erledigen fühlt sich besser an als Aufschieben.
Und nicht vergessen:
Abhaken!
Das macht schliesslich den grössten Spass.
Vielleicht nimmst Du heute nur eine Sache aus diesem Artikel mit
Wenn Du wieder einmal etwas vor Dir herschiebst, sag oder denk nicht sofort:
"Ich bin einfach undiszipliniert.“
Frag Dich stattdessen:
Ist es zu gross?
Ist es zu unklar?
Oder habe ich Angst vor dem, was passieren könnte?
Denn drei verschiedene Ursachen brauchen drei verschiedene Antworten.
Und manchmal reicht tatsächlich ein winziger erster Schritt, damit aus:
"Morgen dann."
endlich wird:
"Ich fange jetzt an."
Wer das geschrieben hat
Ich bin Christin Meng – die MINDMENTORIN.
Ich begleite Menschen dabei, ihr Leben nicht einfach geschehen zu lassen, sondern es bewusst zu gestalten.
Dafür habe ich den MASTERPLAN entwickelt – ein Online-Programm aus 41 Impulsen rund um Themen, die uns im Alltag immer wieder begegnen und darüber entscheiden können, ob wir bei unseren Wünschen bleiben oder tatsächlich etwas verändern.
Das Thema Prokrastination – oder, wie ich gerne sage, "Aufschieberitis" – ist eines davon.
Dabei geht es mir nicht um perfekte Menschen, perfekte Tage oder darum, jeden Moment möglichst "produktiv" zu nutzen.
Es geht darum, zu verstehen, warum wir manchmal nicht tun, was wir eigentlich tun möchten – und wie wir das verändern können.
Wenn Du zusätzlich etwas mitnehmen möchtest
Ich schenke Dir einen Impuls aus meinem MASTERPLAN.
Und zwar den über Schlaf.
Darin findest Du unter anderem eine einfache Technik gegen das Gedankenkarussell am Abend oder mitten in der Nacht. Zum Beispiel, wenn Du die Aufgabe, die Du seit Wochen vor Dir herschiebst, um drei Uhr durch den Kopf geht.
Sie dauert keine zwei Minuten – und Du kannst sie noch in derselben Nacht ausprobieren.
Kostenlos als PDF. Ohne Verpflichtung.
Deine E-Mail-Adresse bleibt bei mir, wird nicht weitergegeben und Du kannst Dich jederzeit wieder abmelden.
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