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Herablassende Menschen - was dahintersteckt und was hilft
Du merkst es sofort. Und Dir fällt nichts ein.
Du sagst etwas in einer Besprechung.
Jemand unterbricht Dich mitten im Satz und erklärt Dir Deinen eigenen Gedanken noch einmal – etwas langsamer, etwas lauter, als spräche er mit einem Kind.
Oder Du erzählst von einem Vorhaben und die Antwort lautet:
"Na ja, das musst Du natürlich wissen."
Mit diesem Lächeln dazu.
Manchmal ist es nicht einmal ein Satz.
Ein Blick genügt.
Ein Seufzen.
Ein Augenrollen, das eigentlich niemand sehen sollte – und das trotzdem alle sehen.
Und Dir fällt in genau diesem Moment nichts ein.
Die passende Antwort kommt drei Stunden später unter der Dusche oder mitten in der Nacht, und Du kannst nicht mehr weiter schlafen.
Da ist das Gespräch längst vorbei.
Und Du ärgerst Dich über zwei Dinge gleichzeitig:
Über die Bemerkung.
Und darüber, dass Du nichts gesagt hast.
Woran Du Herablassung erkennst
Herablassung ist nicht immer offensichtlich.
Meistens versteckt sie sich in Kleinigkeiten.
Unterbrechen, bevor Du Deinen Gedanken zu Ende ausgesprochen hast.
Belehren in einem Ton, als müsse man Dir etwas Selbstverständliches erklären.
Ungefragte Ratschläge, obwohl Du gar nicht um Hilfe gebeten hast.
Ironische Bemerkungen, bei denen jeder Widerspruch sofort humorlos wirken würde.
Sätze wie:
"Das verstehst Du jetzt vielleicht nicht."
"Dafür bist Du zu emotional."
"Lass mich das lieber erklären."
Und natürlich gibt es noch die nonverbale Variante:
Der Blick zur Seite.
Das süffisante Lächeln.
Das demonstrative Ausatmen.
Das Augenrollen.
Das Schwierige daran:
Jede einzelne Situation kann so klein sein, dass man sich fast albern vorkommt, wenn man sie anspricht.
Und wenn man es doch tut, kommt vielleicht:
"Das hast Du völlig falsch verstanden."
Oder:
"Jetzt sei doch nicht so empfindlich."
Oder der Klassiker:
"Ich habe es doch nur gut gemeint."
Vielleicht war es tatsächlich so gemeint.
Vielleicht auch nicht.
Entscheidend ist, was sich wiederholt.
Denn ein einzelner ungeschickter Satz macht noch keinen herablassenden Menschen.
Wenn Du Dich nach Gesprächen mit derselben Person aber regelmässig kleiner, unsicherer oder nicht ernst genommen fühlst, lohnt es sich, genauer hinzusehen.
Was steckt hinter herablassendem Verhalten?
Die einfache Erklärung wäre:
Unsicherheit.
Und tatsächlich kann sie eine Rolle spielen.
Wer am eigenen Wert zweifelt, kann versuchen, sich sicherer oder überlegen zu fühlen, indem er andere korrigiert, abwertet oder klein hält.
Aber so einfach ist es nicht immer.
Herablassendes Verhalten kann unterschiedliche Gründe haben.
Manche Menschen haben einen starken Wunsch nach Überlegenheit oder Kontrolle.
Andere sind es gewohnt, dass ihre Meinung mehr Gewicht bekommt als die der anderen.
Manchmal steckt Konkurrenzdenken dahinter.
Manchmal mangelndes Einfühlungsvermögen.
Und manchmal hat jemand schlicht einen Kommunikationsstil entwickelt, bei dem er gar nicht mehr bemerkt, wie respektlos er auf andere wirkt.
Wir können also nicht in den Kopf unseres Gegenübers schauen.
Und das müssen wir auch gar nicht.
Denn für Dich ist eine andere Erkenntnis viel wichtiger:
Du musst nicht herausfinden, warum jemand Dich herablassend behandelt, bevor Du Dich dagegen abgrenzen darfst.
Nicht alles, was jemand über Dich sagt, ist eine Wahrheit über Dich
Das ist vielleicht der wichtigste Gedanke dieses Artikels.
Wenn jemand Dich behandelt, als wärst Du inkompetent, bedeutet das nicht, dass Du inkompetent bist.
Wenn jemand Deine Meinung belächelt, wird sie dadurch nicht lächerlich.
Wenn jemand so mit Dir spricht, als wüsste er grundsätzlich alles besser, ist das noch lange kein Beweis dafür, dass er tatsächlich alles besser weiss.
Eine Bemerkung ist zunächst einmal genau das:
Eine Bemerkung eines anderen Menschen.
Nicht mehr.
Wir machen sie erst dann zu unserer eigenen Wahrheit, wenn wir beginnen, sie zu übernehmen.
Was wiederholte Herablassung mit uns machen kann
Ein einzelner blöder Kommentar ist meistens schnell vergessen.
Schwieriger wird es, wenn sich solche Situationen wiederholen.
Selbstzweifel
Vielleicht hat sie ja recht.
Vielleicht bin ich wirklich zu empfindlich.
Vielleicht habe ich es tatsächlich nicht verstanden.
Wir beginnen, unsere eigene Wahrnehmung infrage zu stellen.
Sprachlosigkeit
Wer immer wieder unterbrochen, belächelt oder korrigiert wird, überlegt irgendwann zweimal, ob er überhaupt noch etwas sagt.
In einer Besprechung bleibt die Hand unten.
Die Idee wird nicht ausgesprochen.
Der Einwand bleibt im Kopf.
Manchmal geht das noch einen Schritt weiter: Wir beginnen, unangenehme Gespräche, Entscheidungen oder Aufgaben aufzuschieben – besonders dann, wenn wir mit Kritik oder einer abwertenden Reaktion rechnen.
→ Warum wir Dinge aufschieben – und was wirklich dagegen hilft
Wut
Natürlich macht es wütend, nicht ernst genommen zu werden.
Das Problem ist nur:
Wenn wir die Wut dort nicht zeigen können oder wollen, wo sie entstanden ist, nehmen wir sie manchmal mit.
Und dann bekommt sie möglicherweise jemand ab, der überhaupt nichts damit zu tun hatte.
Rückzug
Wir gehen der Person aus dem Weg.
Wenn das nicht möglich ist, versuchen wir wenigstens, den Kontakt möglichst kurz zu halten.
Manchmal ist das sinnvoll.
Aber manchmal bedeutet es auch, dass wir uns immer kleiner machen, damit jemand anderes ungestört weitermachen kann.
Was tatsächlich hilft
1. Rechtfertige Dich nicht
Das kennst Du vielleicht schon aus meinem Artikel über das Neinsagen.
Wer sich sofort rechtfertigt, übernimmt unbewusst bereits die Rolle, die ihm gerade zugeschoben wurde.
Plötzlich erklärst Du, warum Du durchaus kompetent bist.
Warum Deine Idee doch sinnvoll ist.
Warum Du das sehr wohl verstanden hast.
Dabei musst Du gar nichts beweisen.
Du musst Deine Position nicht verteidigen, nur weil jemand anderes sie infrage stellt.
2. Bleib ruhig – aber klar
Du musst nicht lauter werden.
Du musst nicht schlagfertiger sein.
Und Du musst schon gar nicht versuchen, die andere Person ebenfalls blosszustellen.
Ein ruhiger Satz kann wesentlich stärker sein als ein Gegenangriff.
Zum Beispiel:
"Ich möchte meinen Gedanken gerne zu Ende führen."
Oder:
"Einen Moment bitte, ich war noch nicht fertig."
Mehr braucht es manchmal gar nicht.
3. Frag nach
Das ist eine meiner Lieblingsmethoden.
Denn herablassende Bemerkungen funktionieren besonders gut, solange ihre eigentliche Botschaft unausgesprochen bleibt.
Also frag nach.
"Wie meinst Du das genau?"
Oder:
"Was möchtest Du mir damit sagen?"
Oder etwas direkter:
"Habe ich Dich richtig verstanden, dass Du mir das nicht zutraust?"
Und dann:
Stille.
Nicht gleich selbst weiterreden.
Lass Dein Gegenüber antworten.
Plötzlich muss aus einer beiläufigen Spitze eine konkrete Aussage werden.
Und manchmal merkt die andere Person erst in diesem Moment selbst, wie ihre Bemerkung geklungen hat.
4. Benenne das Verhalten statt den Menschen
Sag nicht:
„Du bist herablassend.“
Das führt fast automatisch zu einer Verteidigung.
Beschreibe lieber, was gerade passiert.
"Ich möchte gerne ausreden."
"Mir ist aufgefallen, dass Du mich jetzt mehrfach unterbrochen hast."
"Ich möchte nicht in diesem Ton angesprochen werden."
Damit bewertest Du nicht die gesamte Person.
Du setzt eine Grenze für ein konkretes Verhalten.
5. Lass Dich nicht auf die Nebendiskussion ein
Vielleicht kommt:
"Das war doch gar nicht so gemeint."
Dann musst Du nicht darüber diskutieren, wie es gemeint war.
Du kannst sagen:
"Mag sein. Bei mir ist es so angekommen – deshalb spreche ich es an."
Oder:
"Mir geht es nicht um Deine Absicht. Mir geht es darum, wie wir miteinander sprechen."
Damit bleibst Du bei dem, worum es eigentlich geht.
6. Und wenn sich nichts verändert: Nimm Abstand
Nicht jeder Mensch nimmt Rückmeldungen an.
Nicht jede Beziehung lässt sich verändern.
Und nicht jede Diskussion muss bis zum bitteren Ende geführt werden.
Wenn jemand Dich dauerhaft klein macht, Deine Grenzen ignoriert und Gespräche nichts verändern, kann Distanz eine vernünftige Entscheidung sein.
Nicht als Strafe für den anderen.
Sondern als Schutz für Dich.
Wenn Dir Abgrenzung grundsätzlich schwerfällt, könnte Dich auch dieser Artikel interessieren: →Warum uns ein Nein so schwerfällt – und wie es trotzdem gelingt.
Was ich selbst dabei lernen musste
Auch ich kenne Situationen, in denen mir jemand etwas ausführlich erklärt hat, das ich längst wusste.
Früher habe ich häufig höflich zugehört – obwohl ich innerlich längst dachte:
"Ja, ich weiss."
Ich wollte die Person nicht vor den Kopf stossen und aus einer Kleinigkeit keine unangenehme Situation machen.
Heute sehe ich das anders.
Ich muss niemanden blossstellen – aber ich muss mich auch nicht kleiner machen, damit sich mein Gegenüber grösser fühlen kann.
Ein ruhiges:
"Danke, das ist mir bereits bekannt."
reicht vollkommen.
Und wenn ich unterbrochen werde:
"Lass mich bitte noch kurz ausreden."
Das klingt unspektakulär.
Aber vielleicht liegt genau darin die Veränderung:
Nicht zurückschlagen. Nicht schweigen. Sondern sich selbst ernst nehmen.
Eine kleine Übung
1. Beobachte
Bei welchen Menschen fühlst Du Dich nach einem Gespräch regelmässig kleiner als vorher?
Nicht nach einem einzigen schlechten Tag.
Beobachte das Muster.
Was passiert?
Wirst Du häufig unterbrochen?
Korrigiert?
Belächelt?
Belehrt?
Und vor allem:
Wie reagierst Du darauf?
2. Bereite einen einzigen Satz vor
Nicht zehn.
Einen.
Such Dir einen Satz aus, der sich für Dich natürlich anfühlt:
"Ich möchte meinen Gedanken gerne zu Ende führen."
"Wie meinst Du das genau?"
"Danke, das ist mir bereits bekannt."
Sprich ihn zu Hause einmal laut aus.
Es klingt vielleicht etwas seltsam.
Aber wenn die Situation tatsächlich kommt, musst Du den Satz nicht erst erfinden.
Schlagfertigkeit kann man vorbereiten.
3. Stell Dir hinterher eine andere Frage
Wenn Dich eine Bemerkung noch Stunden später beschäftigt, frag Dich nicht sofort:
"Hat die Person vielleicht recht?"
Frag Dich zuerst:
"Was ist tatsächlich passiert?"
Was wurde konkret gesagt?
Was davon ist eine Tatsache?
Was ist eine Meinung?
Was ist Interpretation?
Und:
Möchte ich diese Bewertung überhaupt übernehmen?
Damit holst Du die Bemerkung aus Deinem Gefühl zurück auf den Boden der Tatsachen.
Du musst nicht immer sofort reagieren
Das möchte ich noch ergänzen.
Denn vielleicht liest Du all diese schönen Sätze und denkst:
Ja klar. Hinterher könnte ich das auch sagen.
Genau.
Manchmal sind wir in einer Situation tatsächlich so überrascht, dass uns nichts einfällt.
Das ist kein Versagen.
Du darfst auch später auf ein Gespräch zurückkommen.
Zum Beispiel:
"Ich möchte noch einmal auf unser Gespräch von heute Morgen zurückkommen. Die Art, wie Du meine Aussage kommentiert hast, hat mich irritiert."
Oder:
"Mir ist erst im Nachhinein bewusst geworden, dass ich mich in unserem Gespräch nicht ernst genommen gefühlt habe. Das möchte ich so nicht stehen lassen."
Eine Grenze verliert nicht ihre Gültigkeit, nur weil Du sie erst drei Stunden später formulierst.
Das hängt mit anderen Dingen zusammen
Vielleicht erkennst Du hier Verbindungen zu anderen Themen.
Wer sich schwer abgrenzt, sagt vielleicht nicht nur zu oft Ja – sondern nimmt auch Verhaltensweisen länger hin, die ihm eigentlich nicht guttun.
→ Warum uns ein Nein so schwerfällt – und wie es trotzdem gelingt
Und wer seinen eigenen Wert sehr stark an Leistung misst, kann von einer abwertenden Bemerkung besonders getroffen werden.
Nicht unbedingt, weil sie wahr ist.
Sondern weil sie genau dort landet, wo ohnehin schon Zweifel sitzen.
→ Perfektionismus – wann ist gut eigentlich gut genug?
Unsere Themen leben eben nicht in getrennten Schubladen.
Sie beeinflussen sich gegenseitig.
Zum Schluss
Vielleicht musst Du gar nicht lernen, schlagfertiger zu werden.
Du brauchst nicht den perfekten Spruch.
Du musst den anderen nicht besiegen.
Und Du musst ihm auch nicht beweisen, dass Du besser, klüger oder kompetenter bist, als er gerade behauptet.
Manchmal reicht:
"Ich möchte ausreden."
"Wie meinst Du das?"
"Das sehe ich anders."
Oder:
"Ich möchte nicht, dass Du so mit mir sprichst."
Ruhig.
Klar.
Ohne Gegenangriff.
Denn die entscheidende Veränderung besteht vielleicht gar nicht darin, dass der andere plötzlich anders wird.
Sondern darin, dass Du Dich selbst nicht mehr kleiner machst.
Wer das geschrieben hat
Ich bin Christin Meng – die MINDMENTORIN.
Ich begleite Menschen dabei, ihr Leben nicht einfach geschehen zu lassen, sondern es bewusst zu gestalten.
Dafür habe ich den MASTERPLAN entwickelt – ein Online-Programm aus 41 Impulsen zu Themen, die uns im Alltag immer wieder begegnen und darüber entscheiden können, ob wir bei unseren Wünschen bleiben oder tatsächlich etwas verändern.
Der Umgang mit schwierigen und herablassenden Menschen ist eines davon.
Denn wir können nicht bestimmen, wie andere Menschen mit uns umgehen wollen.
Aber wir können lernen zu bestimmen, was wir davon annehmen – und wo wir eine Grenze setzen.
Wenn Du zusätzlich etwas mitnehmen möchtest
Ich schenke Dir einen Impuls aus meinem MASTERPLAN.
Und zwar den über Schlaf.
Darin findest Du unter anderem eine einfache Technik gegen das Gedankenkarussell am Abend oder mitten in der Nacht – zum Beispiel dann, wenn Dir ein Gespräch einfach nicht mehr aus dem Kopf geht.
Sie dauert keine zwei Minuten und Du kannst sie noch in derselben Nacht ausprobieren.
Kostenlos als PDF. Ohne Verpflichtung.
Deine E-Mail-Adresse bleibt bei mir, wird nicht weitergegeben und Du kannst Dich jederzeit wieder abmelden.
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